Das Duell des Jahrhunderts?

 

Eher nicht. Wir sprechen aber allerdings doch von einer spektakulären Show zwischen zwei supercoolen Typen, die Lust hatten, sich zu messen. Möge der Beste einen Schritt vor-,  und der Verlierer einen Schritt zurücktreten!

 

 

Worum ging es? Es ging um einen Duell zwischen Karin, einer bestens organisierten, unternehmungslustigen und sympathischen Österreicherin und Gianluca, einem exzellenten italienischen Koch, der als sympathisch, unternehmungslustig und gut organisiert bekannt ist.

 

Die Auseinandersetzung? Auf der einen Seite ein Wiener Schnitzel nach österreichischer, auf der anderen ein Mailänder Kotelett nach italienischer Art  zubereitet. Die genaue Definition ist nicht ganz einfach. Es gibt nämlich Leute die behaupten, dass das Wiener Schnitzel nichts anderes sei als eine Kopie des Mailänder Koteletts. Andere schwören, dass es genau umgekehrt ist. Tatsächlich hat man bereits im zwölften Jahrhundert in Konstantinopel (das heutige Istanbul) Fleisch gegessen, das sorgfältig in Teig gewickelt (wir verwenden heute Paniermehl), dann frittiert und schön heiß verzehrt wurde.

 

 

Aber zurück zu unserem Duell, das im kleinen toskanischen Städtchen Lucca stattfinden sollte. Die Location war ein Klausur Kloster nur für Nonnen, das aber schon lange geschlossen ist.

 

All denen, die wie ich nicht so genau wissen, was das genau bedeutet, sei erklärt, dass es sich um einen Ort handelt, der ausschließlich für Mitglieder eines religiösen Ordens bestimmt ist. In nur ganz seltenen Fällen durften Fremde die Räume betreten und die Nonnen konnten das Kloster ohne Erlaubnis nicht verlassen.

 

 

Es war nicht ungewöhnlich, dass Nonnen und Mönche ihr ganzes Leben in diesem, von der Außenwelt geschützten Gebäude verbrachten, ohne es je zu verlassen.  Ein Kloster symbolisiert ja im Prinzip die grenzenlose, menschenleere Wüste, die früher von den Einsiedlern als Lebensraum gewählt wurde.

 

 

Das Kloster war einfach, fast karg, aber auch ruhig und voller Frieden. An zwei aufgereihten Tischen sahen wir die Grundzutaten und das nötige Küchengeschirr, das zur Herstellung der Rezepte erforderlich war. Wir wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. In der ersten würde man nur italienisch sprechen, in der zweiten nur englisch. So konnten wir nicht nur die beiden Rezepte zubereiten helfen, sondern dabei auch eine Fremdsprache sprechen.

 

Wir waren eine kunterbunte Runde, Jugendliche, Erwachsene in den besten Jahren und auch solche, die im Herzen jung geblieben sind. Ein kleiner Aperitif gab uns die Möglichkeit uns vorzustellen, und bald waren Amerikaner, Deutsche, Engländer und Italiener bereit, an der Kreation des zukünftigen Siegerschnitzels teilzunehmen.

 




Anstelle des traditionellen Kalbfleisches hatten sich die Duellanten für zwei verschiedene Rohstoffe entschieden, nämlich Schweine- bzw. Hühnerfleisch. Ansonsten war die Zubereitung praktisch authentisch, abgesehen von der einen oder anderen geheimen Zutat, um dem Gericht  eine besondere Note zu verleihen. Wir alle kannten die Reihenfolge beim Panieren: zuerst  Mehl, dann  Eier, mit Pfeffer und Salz verfeinert, und am Ende Semmelbrösel. Die persönliche Note? Gianluca streichelte seine Fleischscheiben buchstäblich ganz sanft, bevor er sie auf eine Platte legte. Karin hatte sich für die harte Tour entschieden. Sie schlug das Fleisch wieder und wieder kräftig mit einem Hammer, bis es ganz zart war.

 

Die Zubereitung dauerte weniger als eine halbe Stunde und nach weiteren zehn, fünfzehn Minuten Frittieren wurden uns die Schnitzel serviert. Die österreichische Version mit traditionellem Kartoffelsalat, Preiselbeermarmelade und einer Zitronenscheibe; die  italienische  mit Rot- und Weißkohl und einem leckeren Salat mit Mayonnaise. Auf dem Tisch standen Weißwein und Wasser, um das Bild abzurunden.

 

 

Beim Dessert, einem Stück Sacher Torte (traditioneller österreichischer Schokoladekuchen), haben wir unsere Bewertung auf einen Zettel geschrieben, der in einem kleinen Säckchen landete. Auf diese Weise ist alles anonym geblieben.

 

Wer gewonnen hat? Beide Gerichte waren wirklich ausnehmend gut. Am Ende jedoch hat Karin den verdienten Sieg nach Hause getragen. Allerdings ist da noch eine Frage offen. Das Duell fand am 8. März, dem Internationalen Frauentag statt. Wer, frage ich mich, hätte an diesem Tag den Mut gehabt, Gianluca, also einen Mann, gewinnen zu lassen?

 


Warum wiederholen wir das Duell nicht einfach? Ich bin dabei.

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2 Comments

  1. Ruth Recher

    Unbedingt wiederholen ! Muss ja nicht dasselbe sein , nur schon die Idee so etwas zu machen ist es wert. Jetzt probiere ich es auch mal…..

    1. Agnese

      Ich bin da ganz deiner Meinung.

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