Der Frühling kommt – dieses Mal ganz sicher!


Ich habe es heute morgen in den Nachrichten gehört… ein Hochdruckgebiet, dass sich in den Azoren gebildet hat, nähert sich der Toskana. Das bedeutet mildes, sonniges Klima  bis mindestens Samstag – vielleicht sogar die ganze nächste Woche lang. Ja, bitte!!

Als ich in die Toskana übersiedelte, ist mir sofort aufgefallen, dass der Frühling von mir Deutscher und den Einwohnern auf völlig verschiedene Weise gelebt wird. In meiner Heimat gab es nie Grund zum Zweifeln. Der Winter war kalt, man musste sich warm anziehen, die Zentralheizung (in der Toskana praktisch nirgends zu haben) lief auf vollen Touren. Die niedrigen Temperaturen erinnerten laufend daran, in welcher Jahreszeit man sich befand. Der Frühling kündigte seinen Auftritt immer mit der alltäglichsten aller Kreaturen an: dem Gänseblümchen. Wenn ich es mir recht überlege, lugten da auch noch Schneeglöckchen und Schlüsselblumen scheu aus der Schneedecke hervor. Sie waren die Zeichen, auf die alle

sehnsüchtig gewartet haben. Obwohl es immer noch nicht ohne Heizung gegangen wäre war doch klar, dass der Frühling dabei war, die Türklinke herunterzudrücken, um in unsere Welt zu kommen.  Und wir Nordländer waren sicher, dass der Grüne Mann es auch dieses Mal geschafft hätte, die Menschheit den eiskalten Krallen des Winters zu entreißen. In der Toskana liegen die Dinge völlig anders. Die Winter sind nur mäßig kalt und

der Frühlingsbeginn ist  ein Geheimnis. Natürlich kenne ich den Tag, 21. März, aber das Datum ist nur pro forma, ohne irgendwelchen realen Wert, denn der Februar kann schöne, sonnige Tage bescheren und Anfang März auch. Das Klima hier ist für Schneeglöckchen und Schlüsselblumen nicht besonders günstig und Gänseblümchen wachsen eh das ganze Jahr! Wie oder woran hätte jemand verstehen können, dass des Frühling ist? An denSchaufenstern natürlich! Woran sonst? Es ist wie im Zauber…von einem Tag auf den anderen, ohne dass das Wetter eine große Rolle zu spielen scheint, ist der Frühling da und bringt wunderschöne, farbenfrohe, hochmodische Blusen, Röcke, Hosen, Schuhe,

Handtaschen und Gürtel. Sie sind weich und leicht wie Federn und versprechen neues Leben, spritzige Liebe, Spaß. Keine andere Jahreszeit verrät so deutlich, wer Ausländer ist und wer Italiener ist, denn die ersteren fühlen die neue Jahreszeit, die letzteren tragen sie. Und wenn es soweit ist, würde ein waschechter Italiener niemals zu den Winterkleidern und warmen Mänteln  zurückgreifen, auch nicht wenn die Temperaturen empfindlich fallen sollten. Mit der Zeit habe ichherausgefunden, dass sich hier im Prinzip niemand um den Frühling schert und ohne Fashion-Kollektionen würden die Leute ihn wahrscheinlich völlig ignorieren. Während Nordländer noch dabei sind, ihm den Hof machen und ihn mit allen möglichen Festlichkeiten zu ehren, ist es höchst wahrscheinlich, dass die Italiener sich beschwerden, wo zur Hölle er geblieben ist und warum er so lange gebraucht hat, um sich endlich zu zeigen.

In den dreißig Jahren hier habe ich praktisch alles in mich aufgenommen, was möglich war,  und ich bin durchaus in der Lage, so zu denken und zu leben, wie die Leute hier. Aber wenn der Frühling kommt, sprudelt meine tief verwurzelte, heidnische Herkunft  aus mir heraus und fliegt in die Lüfte wo sie eins wird mit den allerersten Blumen, den zarten Blättern der Bäume und Büsche, mit den Apfel-, Pfirsich- und Mandelblüten. Zugegeben, ich bin ziemlich italianisiert, aber mit dem feurigen Blut meiner Urahnen in den Venen und einem Herz voller Dankbarkeit, dass auch dieses Jahr der Frühling gekommen ist, um Licht und Wärme in meine Tage und mein Leben zu bringen. Es ist stärker als ich! Ich muss hinaus und im frischen Grün spazieren gehen,  es riechen, anfassen, schmecken. Natürlich komme ich nie ohne einen großen Strauß Frühlingsgrün nach Hause zurück, das ich in den Feldern und Wäldern gepflückt habe, in Vasen stecke und  in der ganzen Wohnung verteile, damit ich den Frühling immer und überall um mich habe.

So, und jetzt kann ich mir meine Garderobe mal näher ansehen…

Anneliese Rabl …. finding a life in Tuscany

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